Montag, 28. Januar 2019

Tag 2: Der Tag des Schlamms

Gesehene Schildkröten: 4
Kostenlose Goodies wegen Hochzeit: 1 Eistee
Anzahl trockener Kleidung: 0


Nach einem ausführlichem Haferflockenfrühstück machten wir uns gestern auf, um weiter den Süden von Big Island zu erkunden. Dazu wollten wir um die 90 Meilen mit dem Auto immer schön an der Küste entlang fahren, um einmal den Punalu'u Beach (Schildkröten) und den Green Sand Beach (aufregende Wanderung dorthin) zu erkunden.

Allerdings gab es auf der Fahrt dorthin erstmal Dusseligkeitspunkte für die Ehefrau. Zehnmal über die Badekleidung gesprochen - nullmal eingepackt.. Also nach 35 Minuten umkehren und die Anfahrt begann von vorn. Wir hatten in dem Moment schon kurz überlegt, wie sich diese Stunde wohl auf den Tag auswirken würde, die uns somit gefehlt hat bzw. die wir später ankommen würden. In dem Fall hatte diese eine Stunde einen Anstieg des Abenteuer-Levels um plus 10 zur Folge, doch dazu später mehr.

Es ist großartig mit dem Auto immer an der Küste entlang zu tuckern. Keiner drängelt, die Straßen sind nicht voll und es geht immer gerade aus. Wer mich kennt weiß, dass das so ziemlich die einzige Konstellation ist, bei der selbst ich mal hinter dem Steuer sitze und ja: es ist heute passiert und nichts ist passiert. ich kann tatsächlich noch Auto fahren, auch wenn ich das anscheinend nur in den USA mache. Irgendwann kamen wir dann an einem kleinen Markt "Pure Kona Green Market" vorbei. Ich hatte eh großen Hunger auf Bananenbrot und ein Kaffee wäre auch nicht schlecht, also hielten wir an. Es war auch noch echt zeitig, weil wir schon um 5 Uhr aufgejetlaged waren. Der Markt wirkte ziemlich lokal und voller echter Menschen, die in Hawaii leben und ihre Farmprodukte verkaufen wollten. Nichts ist hier durchgestyled oder für irgendwen hergerichtet. Kleine Tische, die aussehen wie aus dem Kleingarten, Livemusik, die einen so richtig in Stimmung versetzt, Sonne, Wind und Kona Kaffee aus großen weißen Kaffeetassen. Überall gab es Kostproben und auch wenn man nichts kaufte, hatten die Farmer echt große Lust sich zu unterhalten. So haben wir tolle Maui Reisetipps und eine Menge an Kuchen bekommen und einen großen Kaffee gekauft! Der Kuchenverkäufer hatte große Lust daran uns kostenlosen Kuchen zu geben, auch wenn nichts mehr reinpasste. Das winkte er aber ab mit den Worten: You are young, healthy ..jajjaj genau sagte mein Kopf: und full of energy. Hier ist der Miracle Morning also auch am Start (ein Hoch auf das Dschungelcamp)


Rene wurde einmal für einen Franzosen und einmal als Deutscher identifizert und setzte auch gleich die neuen Tricks ein, die ich ihm beigebracht habe. Fand er das im Flugzeug noch leicht peinlich, dass ich der Stewardess von unserem Honeymoon / meinem Geburtstag erzählt habe, in der Hoffnung irgendwas abzustauben (er dachte ich will nur prollen), so lief er hier zu Hochform auf und erzählte dem halben Markt, dass wir hier im Honeymoon seien und wie toll Hawaii ist. Hat uns tatsächlich am Bananenbrotstand einen großen leckeren Hibiskuseistee eingebracht, auf den er mächtig stolz war.



Es gab auch noch einen T-Shirt Verkäufer bei dem Rene das T Shirt seiner Träume entdeckte. Der hatte ziemlich viel Spaß, weil das T-Shirt in zwei Grautönen (vorne war immer eine Schildkröte drauf) zu kaufen war. Ich hatte ganz kurz das Gefühl Miranda Priestly wabberte in der Luft, als Rene und der Verkäufer dann über das Shiny grau philosophierten und sich gegenseitig beteuerten wie schwer es ist eine Wahl zwischen den beiden T-Shirts zu treffen. Frisch umgezogen ging es dann weiter.

Der schwarze Strand war ziemlich gut zu erreichen. Es war etwas frisch und windy, deshalb haben wir nur einen Spaziergang auf den Lavafelsen und am Strand langgemacht und die grünen Seeschildkröten bewundert. Die lagen ganz entspannt und gechillt da rum, eine war noch im Wasser und ließen es sich gut gehen. Die stehen auch mächtig unter Naturschutz und man muss sowohl im Wasser, als auch an Land einen vorgeschriebenen Abstand einhalten. Der Sand hier hatte eine spannende Konsistenz. Er war schwarz, aus Basalt und grobkörnig, aber sehr leicht. Das mit der erkalteten Lava ist auch allgegenwärtig hier und wenn man sich das immer mal wieder bewusst macht, dass hier vor 100 Jahren und vor 10 Jahren und letztes Jahr und immer und immer wieder Lavaströme, also dicke fette Dinger, nicht mal so ein Schluck, über diese Insel rollen und alles begraben... was für eine Energie. Es ist auch toll zu sehen, wie sich die Pflanzen ihren Weg durch die Steine bahnen.





Wir sind dann noch etwas ins Landesinnere gefahren, wo dann auf einmal ein Tempel auftaucht und die Stimmung auf irgendeinmal irgendwie umschlägt als würde man bei Zelda-BotW einen geheimen Ort entdecken.




Essen gab es dann im Hana Hou Restaurant. Ein gemütliches Dinner, das ein bisschen aus der Zeit gefallen schien und Burger und Sandwiches, aber auch Sachen auf der Karte, die ein bisschen weniger amerikanisch waren. Wir haben hier einmal Korean Chicken & Pulled Pork BBQ als typische Mittagsplatte mit den obligatorischen zwei Kugeln Reis.




Eigentlich wollten wir dann zum südlichsten Punkt der Insel fahren, um uns so richtig richtig am Ende der Welt zu fühlen. Dort gibt es aber auch eine Abzweigung zum Green Beach. Man stellt sein Auto ab und macht sich dann auf den Weg durch Sand und Dünen und Geröll ohne Schatten zum Strand, der eine leichte grüne Einfärbung hat. Der Projektmanager in mir entschied, dass wir  erstmal am südlichsten Punkt vorbei fuhren und ihn auf dem Rückweg erlebten. Es war schon 14 Uhr und die Sonne geht um 18 Uhr unter. Daher erstmal eine Stunde zum Green Beach wandern, dortbleiben und eine Stunde zurück und dann mit dem letzten Sonnenstrahl einen fantastischen Sonnenuntergang erleben. So weit der Plan. Der Weg war ziemlich spannend und wir hatten echt Glück, dass es ein bewölkter Tag war, sonst versengt man hier wahrscheinlich. Der Sand war staubig und so dicke Schichten, dass man gern ein Stück einsank. Der Weg zog sich ziemlich dahin und es gab viele verschiedene Spuren und ging hoch und runter. Man konnte auch mit einem klapprigen Jeep einen Transfer bezahlen, aber einen Strand verdient man sich am besten mit so einem Weg.







Wenn man dann denkt, man kommt nie irgendwo an, dann ist man aufeinmal da.Der Anblick war fantastisch und leider wird dieses Foto dem nicht mal ansatzweise gerecht.Die Bucht taucht auf und die Steilküste ist erstmal beeindruckend, vor allem wenn einem dann klar wird, dass man da gleich runtergehen muss. Das Wasser war ziemlich klar und es gab einiges zu sehen unter Wasser  schnorcheln ging hier wunderbar. Sogar Schildkröte Nummer 4!



Der Sand ist tatsächlich ein wenig grün - das liegt am Mineral Olivin. Olivin entsteht bei extremer Hitze, wenn Sterne entstehen oder halt Vulkane ausbrechen.


Da wir leider nicht mehr die Zeit im Überfluss im Gepäck hatten, machten wir uns dann langsam fertig zum gehen und es setzte leichter Niesel ein. Aber es blieb nicht dabei. 5 Minuten später hockten wir unter einem Stein und hatten noch die Idee den Regen abzuwarten, der jetzt ziemlich Ballett machte und es sich langsam zu einem REGEN aufbaute.

Nach 15 Minuten fühlte es sich auch nicht mehr wie eine Husche an und es wurde auch nirgendwo heller und der kritische Blick auf die Uhr zeigte, dass wir hier nicht mehr soviel Spielraum haben und das die Wahl auf  "Rückweg im Hellen" fiel und nicht "Rückweg im Trocknen".
Ich frage mich immer noch, ob es schlauer gewesen wäre, nur den Badeanzug anzuziehen, statt alles was ich mithatte und mich in ein Handtuch zu wickeln.. denn nach 7 Minuten Weg war alles alles alles nass. Es war auf der einen Seite tröstend, dass es ja nicht noch nasser werden kann, auf der anderen Seite ist es ziemlich "Oh neinnn", wenn man weiß das genau dieser Zustand noch 45 Minuten so weiter geht. Zum Glück hat die Kondition gestimmt und wie zwei Entdecker und erfahrene Matschwanderer sind wir durch die, nicht mehr sandigen, sondern jetzt richtig fett schlammigen Wege hoch und runtergelaufen. Knutschi hat sich zweimal komplett hingepackt, weil seine Schuhe null Profil hatten, also hab ich dann den Beutel mit Schnorchelausrüstung geschleppt und mich weiter in den Regen und gegen den Wind gelegt. Hätte ich heute morgen meinen Badeanzug nicht vergessen, würden wir genau jetzt im Auto sitzen und uns freuen, dass wir nicht der Alternativ Rene und die Alternativ Diana sind, die jetzt diesen Weg im Regen gehen. Es war zwar nass und kalt und man wünscht sich das nicht, aber es war großartig. Wo auch immer ich sein werde, wenn mal wieder so ein Regen ist, werde ich an diese 45 Minuten denken, ich denen ich ganz und gar im Moment war und ich keinerlei Verzweiflung oder Möpelei gespürt habe. Und genau in solchen Momenten finde ich Rene besonders toll, der obwohl er immer wieder in den Matsch gefallen ist, nicht rummöpelt, sondern die Zähne zusammenbeißt und wir uns da gemeinsam durchkämpfen.


Nass:



Rene hat noch ein trockenes T-Shirt gefunden :-)





Für den Rückweg haben wir dann das Auto in eine mobile Wärmeblase verwandelt und sind tatsächlich fast trocken geworden in den zwei Stunden Rückfahrt. Der Tag war mega anstrengend und wir sind dann ohne Abendessen ohnmächtig ins Bett gefallen und haben 10 Stunden durchgeschlafen. Das Thema Jetlag sollte dann wohl erledigt sein.