Anzahl gesehener Schildkröten: 0
Anzahlt gesehener quietschgelber Vögel: viele
Gekaufte Avocados: 6
Angefangene Runde Wurmspiel: 1
Müde aber glücklich starteten wir gestern noch mit löslichem Kaffee, den wir im Air BnB gefunden hatten in den Tag. (Heute gibts schon guten Kona Filter Kaffee, für Kaffee ist unser Örtchen hier nämlich bekannt).
Der Tag gestern war so unspektakulär wie schön. Ankommen ist angesagt. Und ankommen heisst Vorräte anschaffen. Bis auf Salz, Pfeffer und Kaffee sind wir nämlich vorratslos. Also die Supermärkte auschecken. So fühlt sich also Inflation an. Alles, alles, alles ist mega teuer. Das weiß man vorher, wenn man dann aber Milch für 7 Dollar und Haferflocken für 5 Dollar kauft, schlägt das Gefühl das Wissen. Dafür gibt es kopfgroße Avocados!
Als nächstes sind wir dann mit dem Auto einfach auf gut Glück immer weitergefahren und hatten eigentlich nur ein unausgesprochenes, doch so einiges Ziel: ins Wasser und schwimmen. Den Ozean begrüßen. Leider hatte sich bisher noch keiner so richtig mit dem Reiseführer auseinandergesetzt (wieso 27 Stunden Anreise dafür nutzen:-)) und so landeten wir dann doch erstmal in Kona und sind am Ocean Boulevard langspatziert, haben uns ein Chicken Sandwich und eine Runde Wurmspiel gegönnt und haben kleine Souvenierläden durchgebummelt.
Alles ganz entspannt hier und irgendwie ein ganz, ganz kleines bisschen anders, als wo wir bisher waren. Parken ist hier auch noch speziell. Meine mittelmäßigen Detektivkenntnisse sagten: 25 Dollar für zwei Stunden - wir sind dann also in den adventure modus übergegangen und haben das Auto mehr im Stadtinneren geparkt, auf einem private property Parkplatz, der aber so gut wie leer war. Wichtig war dann auch erstmal den Überblick zu bekommen. Zumindest was die Strände in der Nähe zu bieten haben. Den Reiseführer hatte aber immer noch keiner so richtig gelesen, nur überflogen und weil sich hier alle Namen so ähnelt, weil es hier weniger Buchstaben gibt und die Silben sich bei allen Ortsnamen rhythmisch und meditativ aneinanderreihen, sind wir nicht beim Strand sondern einer alten Tempelanlage rausgekommen. Die hatte eine malerische, wilde, steinige und nicht zugängliche Bucht - außer man mag halt große scharfe Steine. Unser ratloses, leicht drängendes Gesicht nach dem Meer brachte dann auch die entspannten Einheimischen auf den Plan, die uns auf der Suche nach einem Strand einmal um die Ecke lotsten und mit ihrem dicken Jeep so inspiriert von uns waren, dass sie sich auch in die Richtung machten. Und wenn vor dir ein Jeep fährt, der alle 2 Minuten anhält um gemütlich mit wem zu plauschen, der sich außerhalb des Fahrzeuges befindet, dann flippst du in Deutschland aus oder wippst mit dem Fuß oder tapst mit dem Finger wo drauf. Hier nicht. Meine ungeduldige Persönlichkeit ist hier nicht ungeduldig. Magisch.
Der nächste Strand war leider nicht zugänglicher, wunderschön - aber nicht zugänglich.. wie so vieles im Leben. Eine große Wiese lud uns dann aber ein, doch nochmal in den Reiseführer zu schauen und parallel den Namen des Planstrandes einzugeben und nicht aus dem Gedächtnis.
35 Minuten später parkten wir unser Auto und machten uns auf 20 Minuten über Lavafelsen und unter alten, toten, trocknen verwunschenen Bäumen, die von anderen Pflanzen bewohnt wurden, zu wandern. Es fühlte sich ein ganz, ganz kleines bisschen an wie bei Annihilation. Und es lohnte sich.
Honomalino Beach: Ein fast leerer Strand, mit dunklem groben Sand, der sich so unfassbar gut anfasste. Wellen, Wellen und umzäumt von großsteinigen Felsen, an denen sich die Wellen hochrieben. Es war fantastisch sich ins Wasser schmeißen und in dieser Wildheit umhergeschüttelt zu werden und es fühlte sich nicht nach Mallorca oder Karibik an, sondern tatsächlich nach Hawaii.
Auf dem Rückweg habe ich meinen Vorsprung beim ewigen Streit mit dem Ehemann, wer dusseliger ist bzw. wer nicht dusseliger ist, sehr gut ausbauen können. Unser Auto hat einen Touchscreen am Radio und es gibt ein Informationsdisplay im Tacho.Soweit so gut. Wir benutzen das Eierphone als Navi. Das liegt dann immer ganz gemütlich auf der Radioanzeige. Klingt komisch, hält aber tatsächlich. Jedenfalls meistens, der Ehemann hat das Eierphone nun also einmal wieder richtig ausgerichtet und war der Meinung, auf einen Button vom Radiodisplay gekommen zu sein. Auf seiner Tachoanzeige war nun ein großes Sendemastensymbol abgebildet statt der Geschwindigkeitsanzeige. Die allerdings war für ihn sehr relevant, weil er panische Angst vor Strafzetteln hat. Nun war wildes, erfolgloses Rumdrücken angesagt. Erst er, dann Klugscheisser Ich. Nichts. Mein Kopf rödelte schon, dass es einen anderen Weg geben muss, dass einzustellen was angezeigt wird. Rene hatte eigene Gedanken. Und wenn Rene einen Gedanken hat und der Meinung ist, etwas zu wissen, auch wenn kein begründeter Verdacht besteht, dass er richtigen liegen könnte, dann zieht er durch. Er war der Meinung mit dem einfachen W-LAN an/aus Trick würde das Problem zu beheben sein. Klang plausibel. Auto an. Auto aus. Sendemast noch da. Das machte er dann noch zweimal, um dann die große Lösung auszupacken. Wir machen das Auto RICHTIG aus. Dazu müsse man aber aussteigen. Ich wollte mir das "richtig" ausmachen lieber von innen ansehen und blieb sitzen. Spannend war, dass Rene von draußen das Auto nicht auf diese Art richtig ausbekam, wie er sich das erträumt hatte. Also rief er wild, ich müsse aussteigen, dass Auto weiß das doch. Naja. Am Ende blieb ich sitzen und wir haben in die Bedienungsanleitung geschaut. Manchmal gehts halt auch oldschool und spießig an Ziel.
Der Rückweg war so gemütlich und tüdelig bei hawaiianischer Musik (FM Frequenz 99,3) und immer am Hang, an dem eine Wolke feststeckte, die vom Sonnenuntergang in einen Regenbogen verwandelt wurde. Man fährt relativ weit oben an der Westküste und dadurch sieht am einfach verhältnismäßig viel Meer und sehr viel Sonnenuntergang. Alles ist Sonnenuntergang und alles schreit nach: ihr seid hier am Ende der Welt! Und das fühlt sich so gut an, dass zu hören.
Zu Hause gab es leckeres Omlett mit Avocado, die wir unterwegs an kleinen Ständen in den Serpentinen zum Strand gekauft haben, wo man auf Vertrauensbasis Dollar gegen Avocados tauschen kann.
Dann bin ich ohnmächtig geworden. Hello Jetlag, my old friend...